Geschichte eines Traditionsunternehmens

Lloyd’s of London ist der weltführende Spezialversicherungsmarkt und ist in heute in über 200 Ländern der Welt vertreten. Oftmals sind Lloyd’s of London die Ersten, die neue, ungewöhnliche und komplexe Risiken versichern. Ein interessantes Unternehmen, dessen Geschichte wir gerne erläutern möchten.

1. Anfang als Kaffeehaus

Der Anfang dieses gigantischen Spezialversicherungsmarktes war vor mehr als 300 Jahren ein kleines Kaffeehaus in London. Edward Lloyd führte dieses Kaffeehaus zuerst in der Londoner Tower Street und später in der Lombard Street. Wie alle Kaffeehäuser wurde Lloyd’s schnell zum Treffpunkt von Geschäftsleuten. Unter diesen Geschäftsleuten befanden sich auch solche, die bereit waren, Risiken im Bereich der Schifffahrt abzudecken. So entwickelte sich die Gewohnheit, einen Versicherungsgeber im Kaffeehaus zu suchen, da dort in der Regel mehr als ein Anbieter zu finden war.

Edward Lloyd hob den Umsatz seiner Kneipe durch einen ganz besonderen Service: Er verkaufte Kapitänen und Versicherungsagenten die neusten Schifffahrtsnachrichten aus aller Welt. So taten sich die Kunden des Kaffeehausbesitzers zu einem Versicherungsunternehmen zusammen. Dieses Versicherungsunternehmen nannten sie zu Ehren des Besitzers „Lloyd’s“ . Als verbindendes Element etablierte sich „Lloyd’s News“, ein von Edward Lloyd dreimal wöchentlich herausgegebenes Informationsblättchen, das später „Lloyd’s List“ genannt wurde. Die Auskünfte über Schiffe, Ladungen und Bestimmungshäfen in diesem Informationsblättchen beeinflussten weitgehend die Geschäfte.

Edward Lloyd starb im Jahre 1713.

2. Die weitere Entwicklung

Nach Edward Lloyds Tod im Jahre 1713 wurde das Kaffeehaus unter dem Namen Lloyd’s weitergeführt. Sein Name und die Kaffeehaus-Tradition der Underwriter blieben somit auch nach seinem Tod bestehen.

Die Underwriter scheuten kein Risiko. Bald versicherten die Lloyd’s-Underwriter alles, was den Menschen sichernswert erschien:

  • Englische Hausbesitzer im 2. Weltkrieg gegen deutsche Bomben
  • Türkische Soldaten gegen Tod im Koreakrieg
  • Die Beine Marlene Dietrichs oder die des britischen Fußball-Stars Denis Law gegen Unfall
  • Das englische Atomkraftwerk Calderhall gegen Ersatzansprüche der Bevölkerung
  • Den kanadischen Höhlenforschungs-Satelliten „Martlet“ gegen Absturz

Dennoch blieb das Geschäft der Underwiter ein äußerst riskantes Geschäft.

Die Underwriter verloren so

  • 1906 durch das Erdbeben in San Francisco 400 Millionen Mark
  • 1954 durch Orkanschäden in den USA 400 Millionen Mark
  • 1961 durch die Erkrankung des Filmstars Elizabeth Taylor 8,4 Millionen Mark
  • 1963 durch den Postzugraub in England 11 Millionen Mark

Trotz der vielen Rückschläge wuchs Lloyd’s of London unaufhaltsam. Bis heute konnte sich Lloyd’s of London erfolgreich am Markt beweisen und entwickelte sich so vom Kaffeehaus zum weltführenden Spezialversicherungsmarkt.

3. Was ist eigentlich ein Underwriter?

Oftmals wird in dem Zusammenhang mit Lloyds of London von den Underwritern der Versicherungsbörse gesprochen. Doch was ist eigentlich ein Underwriter?

Wie das Unternehmen selbst, gibt es die Underwriter schon seit dem Beginn im Kaffeehaus. Heute sind Underwriter innerhalb der Syndikate Beschäftigte und repräsentieren im Dialog die Investoren. Sie schätzen das Risiko des Einzelfalles ein und urteilen über eine Zusage oder Ablehnung und die jeweiligen Vertragsbedingungen (Prämien und Vertragsgestaltung).

Doch so individuell, wie die Underwriter ihre Geschäfte abschließen, müssen die Underwriter von Lloyd’s of London mit ihrem gesamten privaten Vermögen für ihre Verpflichtungen haften. Nur wenn das persönliche Vermögen bei einem Katastrophenfall nicht ausreicht, wird der gemeinsame Lloyd’s-Reservefond angezapft. In diesen Reservefond muss jeder Underwriter einen je nach seinen Prämien-Einnahmen festgelegten Prozentsatz abführen.

Weitere Informationen zu den Geschäften von Lloyd’s of London finden Sie hier:

Weitere Informationen zu Lloyds of London

Lloyds of London

4. Aktuelle Geschäftsfelder von Lloyd’s of London

Lloyd’s of London versichert komplexe und schwierige Risiken. Die aktuellen Geschäftsfelder von Lloyd’s of London sind:

Energieversicherungen

Dieser Markt entwickelt sich ständig weiter und reicht von Eigentum zu Land und zu Wasser über Bohrinseln und Raffinerien bis hin zu Projekten mit erneuerbaren Energien. Die Deckung umfasst Haftpflichtrisiken und Sachschäden.

Property/Sachversicherungen

Dieser Sektor ist extrem weit gefächert und umfasst beispielsweise Risiken wie den Bau des neuen World Trade Centers und den Schutz vor Ferienanlagen gegen Sturmschäden.

Kraftfahrzeugversicherungen

In diesem wettbewerbsintensiven Geschäftsfeld hat sich Lloyd’s auf die Versicherung von Firmenflotten, Privatfahrzeug-Nischengeschäfte und andere außergewöhnliche Risiken spezialisiert. Dazu gehören vor allem hochwertige Oldtimer und Sammlerfahrzeuge sowie Wagen von besonders hohem Wert.

Rückversicherung

Hiermit ist die Übertragung von Risiken von einem Versicherungsunternehmen auf Lloyd’s of London gemeint. So können sich zum Beispiel Versicherer gegen sehr hohe Forderungen schützen, indem die Forderung an Lloyd’s abgetreten wird.

Casualty/Haftpflicht und Personenschäden

Dieser Bereich macht einen Großteil der Geschäfte von Lloyds in den USA aus. Dieser Markt beinhaltet vor allem die berufliche Haftpflicht, Ärzteversicherung, Unfall- und Krankenversicherung, Managerhaftpflicht sowie die allgemeine und Arbeitgeberhaftpflicht.

Transportversicherungen

Das ist der Geschäftsbereich, mit dem die Geschichte von Lloyd’s of London begann. Er bildet heute einen vergleichsweise geringen, aber dennoch wichtigen und traditionellen Teil des Geschäfts. Versichert werden in diesem Bereich vor allem Kasko, Fracht, Transporte sowie Haftpflicht und Valoren.

Luftfahrtversicherung

Im globalen Luftfahrtversicherungsmarkt ist Lloyd’s of London führend. Hierzu gehört die Versicherung von Fluggesellschaften und allgemeiner Luftfahrt, Luftfahrt-Produkt-Haftpflicht, Flughäfen, Versicherung gegen Krieg und Terrorismus sowie die Versicherung von Satelliten.

Ein ungewöhnliches Risiko stellt auch ein Sägewerk dar, welches über Lloyd’s of London versichert werden kann. Nähere Information zu diesem Thema finden Sie hier:

Weitere Informationen zu ungewöhnlichen Risiken

Ungewöhnliche Risiken - Sägewerke

5. Blick nach vorne – Zukunft von Lloyds of London

Bei Lloyds of London wird noch traditionell von Angesicht zu Angesicht verhandelt. In den Handelsräumen sitzen die Underwirter an Schreibtischen. Die sogenannten Brokern gehen dann mit den Akten unter dem Arm von Tisch zu Tisch, um für ihre Kunden die bestmöglichen Policen abzuschließen. Broker stellen in dem Geschäft von Lloyds von London eine weitere wichtige Funktion dar. Ein Lloyds Broker ist ein zugelassener Experte, der im Namen seiner Kunden Versicherungs- und Rückversicherungsgeschäfte mit Lloyds abschließen kann. Die Underwriter besiegeln das Geschäft, indem sie Dokumente abstempeln. So wird sehr viel Papier herumgetragen, fotokopier und ausgedruckt.

Mit dem vielen Papier soll aber bald Schluss sein. Die Führung der Versicherungsbörse will dafür sorgen, dass die Underwriter und Broker dazu verpflichtet werden, so viele Daten wie möglich elektronisch zu verschicken und zu erfassen. So soll das Bewegen von Aktenbergen von Papier bald vorbei sein.

Die Vorstandschefin des Marktplatzes hat bereits angekündigt, dass sich Lloyds of London modernisieren müsse, um auch noch in der Zukunft bestehen zu können. Anlass für die geplante Modernisierung scheint wohl vor allem der verzeichnete Verlust im Jahre 2018 von 1,0 Mrd. Pfund zu sein.

Durch den Brexit und für die weitere Aufrechterhaltung der Geschäftsfelder im europäischen Binnenmarkt, verlagerte das Unternehmen einen großen Teil der geschäftlichen Tätigkeit nach Brüssel. Nähere Informationen: Lloyds in Brüssel

6. Kontakt

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