PEPP –

eine europaweite Altersvorsorge?

Am vierten Juni 2019 verabschiedete die europäische Komission die Verordnung PePP. Diese verspricht ein einheitliches Altersvorsorgeprodukt für EU-Bürger und will damit der Altersarmut in der EU entgegenwirken. Doch was genau beinhaltet PePP und was bedeutet es für Sie? STC erklärt.

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1. Was ist PEPP?

PePP steht für Pan-European Personal Pension Product, also in etwa: Gesamteuropäisches privates Altersvorsorgeprodukt. Damit bezeichnet die Europäische Kommission eine Verordnung, nach der Versicherungsanbieter in Europa einheitliche Rentenprodukte gestalten sollen. Hierbei werden sowohl die europäische Freizügigkeit als auch ein umfassender Verbraucherschutz gewährleistet.

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1.1 Die Entstehung von PePP

Schon im Sommer 2014 begannen in der EU Pläne für eine europaweite Altersvorsorge. Grund war die besorgniserregende Altersarmut und zugleich die geringe Anzahl junger Menschen, die privat rentenversichert sind: Nur 27% der 25- bis 59-Jährigen EU-Einwohner sparen aktiv fürs Alter. Zusammen mit dem demografischen Wandel könnte dies ein großes Rentenloch in der Zukunft bedeuten.

Der erste Vorschlag für PePP wurde von der Europäischen Kommission im Juli 2017 vorgelegt. Es folgten anderthalb Jahre, in denen zwischen Kommission, Ministerrat und Parlament verhandelt wurde, bis diese sich im Februar 2019 auf einen Entwurf einigten.  Die Verordnung wurde am 20. Juni 2019 verabschiedet und tritt zwanzig Tage später EU-weit in Kraft.

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1.2 Besonderheiten der PePP-Rente

Worüber hat die EU also so lange diskutiert? Ziel war es, Richtlinien zu schaffen, die sowohl den Kapitalmarkt ankurbeln als auch attraktive Altersvorsorgeoptionen für die Bürger der EU schaffen. Die wichtigsten Vorschriften von PePP sind:

  • Kostendeckel: Die Kosten für die europäische Rente dürfen – im simpelsten Modell, das von allen Anbietern zur Verfügung gestellt werden muss – 1% der jährlichen Beiträge nicht überschreiten.
  • Kapitalgarantie: In der Basisvariante soll zudem gewährleistet werden, dass der Verbraucher seine eingezahlten Beiträge definitiv zurückerhält. Damit soll PePP vor allem den Verbrauchern zugutekommen, die sich eine sichere Kapitalanlage wünschen.
  • Freizügigkeit: Natürlich soll die freie Bewegung in der EU auch bei der Rente nicht zu kurz kommen. Wer also eine PePP-Police z.B. in Deutschland abschließt, soll diese problemlos in ein anderes EU-Land mitnehmen können.
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© STC Research

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2. Für wen würde PePP sich lohnen?

So weit, so gut – die europäische Rentenversicherung kommt. Doch für wen lohnt sich das neue Modell eigentlich, wer profitiert?

Der offensichtliche Vorteil von PePP ist natürlich die Freizügigkeit: Egal, wo ein Mensch in der EU lebt oder arbeitet, die Versicherung kommt mit. Ohne PePP braucht es z.B. beim Umzug aus Großbritannien nach Deutschland umfangreiche Umstellungen, Beratung und anerkannte Versicherer – all das würde mit PePP vereinfacht. Damit dürfte das Modell vor allem für Menschen interessant sein, die häufig den Wohnort wechseln müssen oder wollen. Die Generation der „digitalen Nomaden“ könnte also durchaus profitieren.

Zudem ist natürlich der Kostendeckel ein bedeutender Vorteil für Verbraucher. Gerade Menschen, die nicht besonders hoch verdienen, aber dennoch fürs Alter vorsorgen wollen, würden von der Kapitalgarantie zu relativ geringen Preisen profitieren. Zudem hofft die Kommission, dass durch das größere Angebot europaweit faire Preise für Altersvorsorge entstehen können.

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3. Kritik an der PePP-Verordnung

Wie bei jedem Großprojekt gibt es auch zur europäischen Rentenversicherung nicht nur positive Stimmen. Gerade die Entscheidung, ein privates Produkt zu entwerfen, anstatt bessere Voraussetzungen für staatliche Renten zu schaffen, traf und trifft auf Kritik.

Abgesehen von bezahlbarer Altersvorsorge zielt die neue PePP-Verordnung auch darauf ab, mehr Gelder in die europäischen Finanzmärkte fließen zu lassen. Um dies zu ermöglichen, steht es nicht nur Banken und Versicherern, sondern auch z.B. Investmentfirmen frei, die Europarente anzubieten. Diese Möglichkeit löst Misstrauen aus: So warf Martin Schirdewan von der Linken der Kommission vor: „PEPP soll auch von Asset-Manager*innen und Hedgefonds vertrieben werden können. Der Rentenmarkt wird zum Spielball der Kapitalmärkte. Letztlich geht es der Kommission mit dieser Initiative darum, die Kapitalmärkte weiter zu vertiefen und zu liberalisieren. Daraus machte sie nie einen Hehl.“

Hinzu kommt, dass die Kapitalgarantie in der Verordnung zwar auf Risikominimierung abzielt, die Verordnung selbst allerdings hierzu nur bedingt klare Angaben macht. Die tatsächliche Sicherheit der eingezahlten Beiträge ist also nicht restlos gewährleistet.

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4. Und wie geht es jetzt weiter?

Diverse Regelungen fehlen noch in der PePP-Verordnung. Um das Gesetz also endgültig auszuformen, wird es noch einmal durch die europäische Versicherungsaufsicht und die EU-Kommission weiterbearbeitet werden. Hierbei geht es unter anderem darum, in welcher Form der Kostendeckel mit den Jahren angepasst werden darf.

Bis die Verordnung dann tatsächlich anwendbar wird, kann es noch mindestens zwölf Monate dauern – politisch ist sie also schon interessant, doch konkrete Produkte gibt es noch lange nicht.

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Quellen

www.versicherungsjournal.de, zuletzt abgerufen am 28.06.2019

www.versicherungsbote.de, zuletzt abgerufen am 28.06.2019

www.dielinke-europa.eu, zuletzt abgerufen am 28.06.2019

www.aba-online.de, zuletzt abgerufen am 28.06.2019

ec.europa.eu, zuletzt abgerufen am 28.06.2019

www.morgenpost.de, zuletzt abgerufen am 28.06.2019