Die Pflegereform 2017 soll die Pflegesituation spürbar verbessern.

„Gute Pflege: Darauf kommt es an.“

Mit diesem Slogan wirbt das Bundesministerium für Gesundheit momentan für die Durchsetzung des zweiteiligen Pflegestärkungsgesetzes in den Jahren 2015 und 2017, welches neben Entlastungen von Angehörigen und Fachkräften auch eine größere finanzielle Förderung ermöglichen soll. Im Folgenden erklären wir Ihnen, welche Änderungen diese Reform konkret haben wird.

 

1. Die zeitliche Durchsetzung der Pflegereform

Von dem Entwurf bis zum Eintritt der Pflegestärkungsgesetze vergehen einige Jahre. Für eine bessere Orientierung, können Sie hier die einzelnen Etappen der Realisierung nachvollziehen.

Verlauf

 

2. Die grundlegenden Änderungen 2015

Folgende Bereiche sind von den Leistungsänderungen des Pflegestärkungsgesetzes I betroffen:

Bereiche

 

2.1 Stärkung der Pflegebedürftigen

Viele der Betroffenen wünschen sich daheim, in ihrer vertrauten Umgebung gepflegt zu werden. Damit diesem Wunsch so lange wie möglich nachgegangen werden kann, sind u.a. diese Regelungen in Kraft getreten:

  • Für körperlich beeinträchtige Pflegebedürftige gibt es nun auch häusliche Betreuungsleistungen der ambulanten Pflege.
  • Die Obergrenze für die benötigten Wohnumbauten wurde auf 4.000,- € hochgesetzt.
  • Für Pflegehilfsmittel, wie beispielsweise Einmalhandschuhe, gibt es einen monatlichen Zuschuss von 40,- €.

2.2 Stärkung der Angehörigen

Ein Großteil der Pflegebedürftigen wird von Angehörigen gepflegt. Um die Vereinbarung von Pflege und dem Beruf zu erleichtern und sie zu unterstützen, kam es 2015 zu folgenden Änderungen:

  • Die Tages- und Nachtpflege wird in vollen Umfang nutzbar und kann mit ambulanten Geld- und Sachleistungen kombiniert werden. Dazu steigt ab 2017 der Leistungsbetrag.
  • Demenzerkrankte, die keiner Pflegestufe zugeordnet wurden, haben nun die Möglichkeit Sachleistungen der teilstationären Tages- und Nachtpflege zu beziehen.
  • Die Kurzzeit- und Verhinderungspflege für Angehörige wird umfassend ausgedehnt.
  • Zur kurzfristigen Organisation der Pflege, soll ein Angehöriger eine bis zu 10 Tage lang bezahlte Berufspause machen können.

2.3. Stärkung der Pflegekräfte

Um eine gute Pflegequalität garantieren zu können, bedarf es der Förderung von Pflegekräften in ihrer Arbeit. Da ein Fachkräftemangel in Deutschland herrscht, muss der Markt ausgeweitet und zusätzliche Betreuungskräfte gefunden werden. Um diesen Prozess zu bewältigen und damit den Pflegebedürftigen eine gute Pflege zu sichern, werden folgende Pläne realisiert:

  • 500.000.000,- € sollen in zusätzliche Betreuung investiert werden. Damit erhöht sich die Anzahl der Pflegekräfte um 30%.
  • Der Einstieg in einen Pflegeberuf soll durch neu gestaltete Ausbildungsplätze attraktiver gestaltet werden.

2.4. Finanzielle Auswirkungen

Ab dem 01.01.2015 gibt es eine Beitragserhöhung um 0,3 Prozentpunkte.

 

3. Die grundlegenden Änderungen ab 2017

Was sich ab dem Jahr 2017 konkret ändert, möchten wir folgend darstellen.

 

3.1 Aus Pflegestufen werden Pflegegrade

Der Pflegebegriff wird bis zum Jahr 2017 neu definiert, um den Bedarf eines Pflegebedürftigen individuell gerecht zu werden. So kommen die fünf Pflegegrade zustande: Menschen mit ausschließlich körperlichen Einschränkungen werden automatisch in den nächst höheren Pflegegrad übergeleitet, Menschen mit geistlichen Einschränkungen in den übernächsten.

Tabelle Pflegestufe Pflegegrad

Unabhängig von körperlicher oder geistiger Beeinträchtigungen erhalten Betroffene eines Pflegegrades dieselben Leistungen.

 

3.3 Neues Begutachtungsverfahren

Die bei einer Begutachtung berücksichtigten Lebensbereiche werden auf sechs erweitert (Mobilität, geistliche und kommunikative Fähigkeiten, Verhalten, Selbstversorgung, Umgang mit Krankheit und Belastung, soziale Kontakte).

 

3.4 Keine Schlechterstellung

Schon in Pflegestufen eingeordnete Betroffene haben keine Schlechterstellung zu befürchten. Es wird keine erneute Begutachtung geben. Betroffene, die ab 2016 Leistungen beziehen, werden durch das Pflegestärkungsgesetz II im Folgejahr hochgestuft.

 

3.5 Finanzielle Auswirkungen

Im Jahr 2017 wird es eine erneute Beitragserhöhung um 0,2 Prozentpunkte geben.

 

4. Leistungsvergleich der Pflegereform: 2015 und 2017

Um das Ausmaß der Pflegereform zu verstehen, zeigen wir Ihnen hier ein Beispiel. Verglichen werden die Leistungen eines Betroffenen der Pflegestufe 1, welche 2017 dem Pflegegrad 2 entspricht.

Leistungen20152017

 

 

5. Mit gutem Gewissen in die Zukunft blicken

Mit einer Pflegebedürftigkeit ändert sich das Leben eines Menschen innerhalb einer Sekunde um 180 Grad. Durch die Pflegestärkungsgesetze sollen Angehörige und Betroffene bei der schwierigen Lebenslage unterstützt als auch finanziell gefördert werden. Welche konkreten Leistungen Ihnen zustehen und was beim Eintreten Schritt für Schritt zu tun ist, erklärt Ihnen STC in einer bald für Sie zugänglichen „FAQ Rund um Pflegebedürftigkeit“. Denn in der Vorsorge liegt der Schlüssel zu einer sicheren Zukunft.

 


Letzte Änderung am 20.02.2016

Quellen:

www.pflegestärkungsgesetze.de (eingesehen am 06.08.2015)

www.bundesgesundheitsministerium.de (eingesehen am 06.08.2015)